Schweißer-CV prüfen — offizielle Normen im Abgleich
Ein Schweißer-Lebenslauf (ISCO 7212) lässt sich selten aus der Berufsbezeichnung heraus beurteilen. „MAG-Schweißer, 8 Jahre Erfahrung" sagt nichts über Verfahren, Werkstoffgruppe, Dicke, Position oder Bewertungsgruppe — und genau diese Angaben entscheiden, ob eine Kandidatin oder ein Kandidat auf Ihre Baustelle, in Ihre Rohrleitungsfertigung oder in Ihren Druckbehälterbau passt. Bei internationalen Bewerbungen kommen unterschiedliche Regelwerke hinzu: EN-Normen, ASME IX oder AWS D1.1.
Dafür existiert eine klare Normenlandschaft: EN ISO 9606 für die Schweißerprüfung, EN ISO 6947 für Positionen, ISO/TR 15608 für Werkstoffgruppen, EN ISO 5817 für Bewertungsgruppen, EN 1090-2 und EN ISO 3834 für die Fertigung sowie die ZfP-Normen für Prüfnachweise. Eine belastbare Prüfung gleicht jede Angabe im CV gegen diese Referenzen ab. WorkerProof macht das automatisiert und verifiziert jedes CV dreifach — geprüft werden Dokumente und Angaben, nicht die rechtliche Anerkennung von Abschlüssen.
Was ein starker Lebenslauf enthalten muss
Ein starker CV nennt die Bescheinigung nach EN ISO 9606-1 (Stahl) bzw. EN ISO 9606-2 (Aluminium) mit Verfahren (z. B. 135 MAG, 141 WIG), Werkstoffgruppe nach ISO/TR 15608, Blech- oder Rohrform, Dicken- und Durchmesserbereich. Jedes Zeugnis gilt genau für das Geprüfte — nicht mehr.
Positionen gehören codiert in den Lebenslauf: PA–PG für Blech, 1G–6G für Rohr, dazu H-L045, PF oder PE. Die schweren Positionen decken leichtere mit ab — deshalb ist die Angabe des tatsächlich geprüften Codes aussagekräftiger als „alle Positionen".
Prüfen Sie Ausstellungsdatum, ausstellende Stelle und den Verlängerungsstand der 9606-Bescheinigung. Zeugnisse müssen regelmäßig verlängert werden; ohne aktuellen Nachweis ist die Qualifikation für die Einsatzplanung nicht verwertbar.
Der CV sollte erkennen lassen, dass nach qualifizierten Verfahren geschweißt wurde: WPS nach EN ISO 15609 als Rezept der Naht, WPQR nach EN ISO 15614-1 als geprüfter Nachweis. Kandidaten aus ernsthafter Fertigung können Parameter, Zusatzwerkstoff und Nahtaufbau ihrer WPS beschreiben.
Nennt der CV den Kontext? EN ISO 5817 Gruppe B, C oder D (bei Aluminium ISO 10042, bei EB/Laser ISO 13919), EN 1090-2 mit Ausführungsklasse EXC1–4, EN ISO 3834-2/3/4 im Betrieb, oder Druckbereich nach PED 2014/68/EU, EN 13445, EN 13480. Bei US-Projekten: ASME IX (WPQ nach QW-484), AWS D1.1/D1.2/D1.6.
Belastbar sind Angaben zu bestandenen Prüfungen nach EN ISO 17637 (VT), ISO 3452 (PT), ISO 17638 (MT), ISO 17636 (RT) oder ISO 17640 (UT) — bei eigenen Prüfaufgaben zusätzlich ISO 9712 mit Verfahren und Stufe. Dazu gehören Zeichnungslesen mit Schweißsymbolen nach EN ISO 2553 sowie Nahtvorbereitung und Schnittkantenqualität nach EN ISO 9692 und EN ISO 9013.
⚠️ Warnsignale
Fragen an den Kandidaten
- 01Für welches Verfahren, welche Werkstoffgruppe nach ISO/TR 15608, welchen Dicken- und Durchmesserbereich und welche Position nach EN ISO 6947 gilt Ihre Bescheinigung nach EN ISO 9606-1 oder 9606-2 — und wann wurde sie zuletzt verlängert?
- 02Nach welchen Bewertungsgruppen haben Sie zuletzt gearbeitet: EN ISO 5817 B, C oder D — bei Aluminium ISO 10042 — und mit welcher Ausführungsklasse nach EN 1090-2 (EXC1–4)?
- 03Beschreiben Sie eine WPS nach EN ISO 15609, nach der Sie geschweißt haben: Zusatzwerkstoff, Lagenaufbau, Parameter — und lag dafür eine WPQR nach EN ISO 15614-1 vor?
- 04Welche ZfP-Verfahren wurden an Ihren Nähten angewendet — VT (EN ISO 17637), PT (ISO 3452), MT (ISO 17638), RT (ISO 17636) oder UT (ISO 17640) — und wie sahen Ihre Befundraten aus? Besitzen Sie selbst eine Zertifizierung nach ISO 9712 mit Verfahren und Stufe?
- 05Haben Sie nach US-Codes gearbeitet, also ASME IX (WPQ nach QW-484) oder AWS D1.1/D1.2/D1.6, oder im Druckbereich nach PED 2014/68/EU mit EN 13445 bzw. EN 13480 — und welche Dokumente können Sie dazu vorlegen?
Die offiziellen Normen hinter der Bewertung
WorkerProof prüft jeden Lebenslauf gegen diese verifizierte Matrix.
- EN ISO 9606-1 (steel)
- EN ISO 9606-2 (aluminium)
- EN ISO 9606-3/4/5
- ISO 14732 (operators)
- ASME IX (QW-484 WPQ)
- AWS D1.1 / D1.2 / D1.6
- EN ISO 5817 (B/C/D)
- EN ISO 10042 (Al)
- ISO 13919 (EB/laser)
- ISO 6520-1 (imperfections)
- EN 1090-2 (EXC1–4)
- EN 1090-3 (Al)
- EN ISO 3834-2/3/4
- PED 2014/68/EU · EN 13445 · ASME VIII
- EN ISO 15614-1 (WPQR)
- EN ISO 15609 (WPS)
- EN ISO 17637 (VT)
- ISO 3452 (PT)
- ISO 17638 (MT)
- ISO 17636-1/2 (RT) · ISO 10675
- ISO 17640 (UT) · ISO 11666
- ISO 13588 / 10863 (PAUT/TOFD)
- EN ISO 6947 (6G, H-L045, PF, PE…)
- ISO/TR 15608 (material groups)
- EN ISO 2553 (weld symbols)
Häufige Fragen
Welche Dokumente muss ein Schweißer-Lebenslauf enthalten?
Zentral ist die Schweißerprüfbescheinigung nach EN ISO 9606-1 (Stahl) oder EN ISO 9606-2 (Aluminium) mit Verfahren, Werkstoffgruppe nach ISO/TR 15608, Dicke, Form und Position nach EN ISO 6947. Ergänzend sinnvoll: Bezug zu WPS/WPQR (EN ISO 15609, EN ISO 15614-1), ZfP-Nachweise und bei mechanisierten Anlagen die Qualifikation nach ISO 14732.
Was bedeutet 6G bei einem Schweißer?
6G bezeichnet nach EN ISO 6947 die Rohrnaht mit fest um 45° geneigter Achse. Sie gilt zusammen mit H-L045 sowie PF und PE als eine der schwersten Positionen; ihre Qualifikation deckt leichtere Positionen mit ab. Entscheidend ist, dass die Position tatsächlich in der 9606-Bescheinigung steht.
Reicht ein EN-ISO-3834-Zertifikat des Arbeitgebers als Nachweis?
Nein. EN ISO 3834-2/3/4 zertifiziert den Betrieb — WPS-Disziplin, Rückverfolgbarkeit, kalibrierte Geräte, qualifiziertes Personal — nicht die einzelne Person. Der persönliche Nachweis bleibt die Prüfung nach EN ISO 9606 bzw. ISO 14732 für Bedienpersonal.
Wie vergleiche ich ausländische Schweißer-Abschlüsse?
Der Europäische Qualifikationsrahmen (EQR, Stufen 1–8) ordnet nationale Abschlüsse auf einer gemeinsamen Skala ein — etwa ein slowenisches NPK-Zeugnis, den deutschen Gesellen (EQR 4) oder Meister (EQR 6). Für die Einsatzplanung bleibt jedoch die verfahrensbezogene Bescheinigung nach EN ISO 9606 maßgeblich. WorkerProof prüft Dokumente und Angaben und trifft keine Aussage zur rechtlichen Anerkennung.
Gelten ASME IX oder AWS D1.1 auch in Europa?
Viele Öl-&-Gas- und Werftprojekte in Europa laufen nach diesen amerikanischen Codes: ASME Section IX qualifiziert Schweißer und Verfahren für Kessel, Druckbehälter und Rohrleitungen (WPQ nach QW-484), AWS D1.1 regelt den Stahlbau, D1.2 Aluminium und D1.6 nichtrostende Stähle. Prüfen Sie deshalb, nach welchem Regelwerk die vorgelegten Zeugnisse ausgestellt wurden und ob es zum Projekt passt.
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